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Die Grünen fordern: Wahlfreiheit
sichern, gentechnikfreie Regionen fördern!
23.3.2006
Rund drei Viertel aller Deutschen wollen kein Gen-Food.
Eine große Mehrheit der deutschen Landwirte will keine gentechnisch
manipulierten Organismen anbauen. Wir stehen für Wahlfreiheit statt
gentechnischer Zwangsbeglückung. Die Gentechnik in der Landwirtschaft
birgt ungeklärte Risiken, weil sie im Freiland stattfindet und nicht wie
die weiße Gentechnik im geschlossenen System. Damit sind Fehler, die
heute begangen und möglicherweise als solche erst später erkannt
werden, nicht mehr rückholbar. Gesundheitsrisiken für die Verbraucher
durch gentechnisch manipulierte Lebensmittel können nicht ausgeschlossen
werden. Im Gegenteil: In Tierversuchen gibt es immer wieder besorgniserregende
Ergebnisse wie jüngst bei der Verfütterung gentechnisch
veränderter Erbsen. Inzwischen hat ein deutsches Gericht der
Umweltorganisation Greenpeace Recht gegeben, die sich den Zugang zu den
Unterlagen über die Fütterungsstudien des Konzerns Monsanto
erstreiten musste.
Entgegen den Versprechen der Gentechnik-Befürworter
steigt der Einsatz von Pestiziden bei Gentech-Pflanzen nach einer
Übergangszeit sogar an. Wildkräuter können durch Auskreuzungen
von Gentech-Pflanzen zu aggressiven Schädlingen werden. Die Artenvielfalt
wird bedroht. Die Bauern geraten in massive Abhängigkeit von den
großen Konzernen und unter den Kostendruck von Patentgebühren.
Mittelständische landwirtschaftliche Betriebe und Unternehmen werden von
industrieller Landwirtschaft verdrängt.
Die Wachstumsmärkte und Arbeitsplätze im
Lebensmittel-Markt - sowohl im Bio- als auch im konventionellen Bereich - sind
durch die drohende schleichende Einführung der Agro-Gentechnik
gefährdet. Allein über 150 000 Arbeitsplätze im Biobereich
werden für eine Handvoll Arbeitsplätze in der Agro-Gentechnik auf
Spiel gesetzt. Die Überlegung des Babynahrungsherstellers Hipp, seine
Rohstoffe stärker aus dem Ausland zu beziehen, ist ein deutliches
Warnsignal.
Wir haben in der rot-grünen Koalition ein
Gentechnikgesetz beschlossen, das die schleichenden Einführung von
Gen-Food auf unseren Feldern sowie in den Supermarktregalen verhindert,
Transparenz gewährleistet und eine klare Verursacherhaftung einführt.
Nun gefährden die Große Koalition im Bund und verschiedene
Landesregierungen mit ihrer Politik Transparenz und Wahlfreiheit. Die CDU/CSU
hat angekündigt, mit einer "Zwei-Stufen-Strategie" die Einführung
gentechnisch veränderter Lebensmittel vorantreiben zu wollen. Die erste
Amtshandlung des CSU-Ernährungsministers Horst Seehofer war die Zulassung
des Genmaises MON 810, um dem US-Konzern Monsanto den deutschen Markt zu
öffnen. Seehofer will die klaren Haftungsregelungen nach dem
Verursacherprinzip im geltenden Gentechnikgesetz verwässern. Wie wenig die
Union von dem Schutz der gentechnikfreien Produktion hält, zeigt sich auch
daran, dass sie im Einklang mit einigen führende SPD-Politikern wie
dem rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck oder dem
Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern Till Backhaus versuchen, die
Vermarktung nicht zugelassener Pflanzen aus Versuchs-Auskreuzungen zu
legalisieren. Das ist nicht nur ein Betrug am Verbraucher sondern auch
EU-rechtswidrig.
Wir stehen für den Schutz der gentechnikfreien
Produktion und die Wahlfreiheit der Bauern und Verbraucher. Möglichst
großräumige und flächendeckende gentechnikfreie Regionen
einzurichten, ist die beste Möglichkeit, langfristig eine garantiert
gentechnikfreie Produktion zu gewährleisten. Seit November 2003 haben sich
in Deutschland etwa 22.100 Landwirte in 84 gentechnikfreien Regionen mit rund
728.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche gegenseitig dazu
verpflichtet, auf ihren Äckern kein gentechnisch verändertes Saatgut
auszubringen.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern:
- Die
Unterstützung gentechnikfreier Regionen durch die Bundesregierung und die
Landesregierungen unter anderem bei ihrer Vermarktung. Außerdem
sollen die europäischen Regionen das Recht erhalten, selbst
gentechnikfreie Zonen definieren zu können.
- Die Beibehaltung des geltenden Gentechnik-Gesetzes
mit seinen Schutzstandards. Der Schutz von Umwelt und Gesundheit und der Schutz
der gentechnikfreien Produktion müssen erhalten bleiben.
- Keine Aufweichung der Haftungsregelungen und der
Anforderungen an den Umgang mit gentechnisch veränderten Pflanzen.
- Eine Verbesserung der
Öffentlichkeitsbeteiligung. Vor dem Hintergrund der intransparenten
Zulassungspraxis und der Gerichtsurteile Monsanto gegen Greenpeace muss mehr
Transparenz hergestellt werden. Studien zur Risikobewertung im Rahmen von
Zulassungsverfahren sind keine Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse. Die
Regierung muss diese für die Öffentlichkeit zugänglich machen.
- Das Zulassungsverfahren der Europäischen Union
für gentechnisch veränderte Organismen ist unzureichend. Hier
brauchen wir mehr Langzeitstudien, mehr unabhängige Forschung, mehr
Einbindung von ökologischem Sachverstand und mehr Transparenz.
- Den Schutz des Saatgutes und die weltweite
Ächtung der Terminator-Technologie. Wir fordern die Bundesregierung auf,
auf der anstehenden Vertragsstaatenkonferenz zur Konvention über die
Biologische Vielfalt (COP8) in Brasilien darauf hinzuwirken, dass das bisher
geltende Verbot nicht wie von verschiedenen Ländern angestrebt -
aufgeweicht wird.
- Den Schutz vor Verunreinigungen zu verbessern. Immer
wieder finden sich insbesondere bei Importware Verunreinigungen durch
gentechnisch veränderte Organismen in Lebens- und Futtermitteln. Hier
müssen die Kontrollen durch die Länder verbessert werden.
- Gentechnisch manipulierte Pflanzen und deren
Erträge aus dem Ver-suchsanbau müssen nach deren Ernte und
Untersuchung vernichtet werden. Die Abgabe derselben bspw. zur
Wildfütterung an Jäger muss ausgeschlossen werden, da sonst eine
völlig unkontrollierbare Aus-breitung des aussaatfähigen Materials
droht und somit die Verunreinigung gentechnikfreier Bestände, ganz zu
schweigen von den unabsehbaren Folgen für die damit gefütterten
Tiere.
- Die Verbesserung der Kennzeichnung durch eine neue
Initiative der Bundesregierung auf EU-Ebene. Alle Produkte, die unter
Verwendung von lebenden gentechnisch veränderten Organismen entstehen oder
entstanden sind, müssen gekennzeichnet werden, wie Milch, Fleisch oder
Eier.
- Den optimalen Schutz der gentechnikfreien Produktion.
Wenn Gentech-Pflanzen auch bei besten Schutzmaßnahmen nicht ohne Gefahr
für Umwelt und gentechnikfreie Landwirtschaft anzubauen sind, wie z.B.
Raps, dürfen sie weder angebaut noch importiert werden. Länder, die
aus berechtigten Gründen nationale Einfuhrverbote erlassen haben, wie z.B.
Österreich und Deutschland, dürfen nicht von der EU oder der WTO
gezwungen werden, diese aufzuheben.
- Keine neuen Zulassungen von Gentech-Pflanzen. Im
Laufe der nächsten Jahre werden alle bisher in der EU zugelassenen
Gentech-Konstrukte neu bewertet. Vorher darf es zu keinen neuen Zulassungen
kommen.
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