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Schwerpunkt von Elu Moderer zu
Energie und Klimaschutz in Alsfeld
3.2.2011
Wir stehen am Ende des fossilen Energiezeitalters. Die
Vorkommen an herkömmlichen Energieträgern neigen sich dem Ende zu -
auch die des Urans, was bei der Diskussion um die Kernkraft gerne vergessen
wird. Diese Erkenntnis und die Herausforderungen des Klimawandels werden unser
Handeln in Zukunft maßgeblich bestimmen.
Die Weltgemeinschaft hat
zwar zögerlich, aber in der Breite begonnen, Ziele festzulegen, Wege
aufzuzeigen und Maßnahmen zu definieren, mit denen unsere zukünftige
Energieversorgung klimaverträglich und umweltschonend gewährleistet
werden kann. Diese historische Aufgabe muss auf allen Ebenen des politischen
Handelns angepackt werden. Jedes Land, jede Region und jede Kommune ist
herausgefordert, die Energiewende aktiv mitzugestalten: "Global denken, lokal
handeln!"
Schon im "Kommunalen Handlungsleitfaden für Alsfeld" im
Agenda 21-Prozess aus dem Jahre 2000 heißt es: "Im Hinblick auf
Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit ist der Anteil der regenerativen
Energien an der Energieversorgung Alsfelds stark auszubauen; parallel dazu sind
alle Möglichkeiten zur Energieeinsparung und Energieeffizienz bei privaten
Haushalten und im Gewerbe auszuschöpfen".
Was aber tut die Stadt
Alsfeld in dieser Hinsicht? Seit Einleitung der Haushaltskonsolidierung im
Jahre 2008 ist Alsfeld ohne einen Umweltbeauftragten. Eine Energieberatung
seitens der Stadt findet nicht mehr statt. Die Stadt ist zudem aus dem einst
viel umjubelten "Klimabündnis" der Gemeinden ausgestiegen. Die
entsprechenden Hinweisschilder am Ortseingang sind Überbleibsel aus
Zeiten, als Alsfeld die Notwendigkeiten einer ökologischen Ausrichtung der
Politik gerade zu erkennen begann.
Die Schilder, die an den
Orteingängen von Alsfeld noch immer jeden Besucher begrüßen,
sind reine Täuschungen und lediglich aus Kostengründen noch nicht
entfernt worden. Letztes Jahr erst - 2010 - wurde ein Konzessionsvertrag
über Stromlieferung an die Stadt Alsfeld mit der OVAG auf satte 30 Jahre
festgeschrieben. Man könnte der Meinung sein, dass die OVAG als regionaler
Versorger, an dem u.a. der Vogelsbergkreis beteiligt ist, schon allein deswegen
unsere Unterstützung verdiene.
In der Diskussion um den 15 Jahre
währenden und jetzt auslaufenden Vertrag über den Betrieb des
Blockheizkraftwerkes (BHKW) im Schwimmbad ist jedoch eines deutlich geworden:
Die oberste Leitidee der OVAG ist es ihre Gewinne zu steigern. Ob ein Vertrag -
wie in diesem Fall - zum Schaden des anderen gereicht, ist dabei
nebensächlich. Zudem ist der Strommix der OVAG mit über 26 % aus
Kernkraft, 42 % aus fossiler Energie bei 33 % aus erneuerbaren Energien
wahrlich nicht dazu angetan, eine Energiewende herbeizuführen. Die
CO2-Bilanz des OVAG-Strommixes liegt bei 300 g/kWh.
Als Gegenbeispiel
sei hier der südhessische Energieversorger Entega, an dem die
öffentliche Hand auch beteiligt ist, genannt. Die Entega bietet Strom zur
Hälfte aus erneuerbaren Energien an und hat die Kernkraft gänzlich
aus ihrem Angebot gestrichen. Die CO2-Bilanz im Strommix beträgt 146
g/kWh, also nicht einmal die Hälfte des OVAG-Wertes. Bei der Etablierung
der erneuerbaren Energien - allen voran der Windkraft - treten weitere
Versäumnisse offen zutage. Die Bürger in den Ortsteilen sind
zerstritten. Einer der Gründe: ist, dass es keine Bürgerbeteiligung
gibt, weder bei der Wahl der Standorte für Windkraftanlagen, noch in
finanzieller Hinsicht durch eine Investitions- und Gewinnbeteiligung.
Die kürzlich in der Stadtverordnetenversammlung beschlossene
Normenkontrollklage gegen den Entwurf des Regionalplans Mittelhessen 2009 ist
daher richtig. Das Heft des Handelns sollte nicht einfach aus den Händen
gegeben werden, damit die Möglichkeit besteht einen eigenen
Teilflächennutzungsplan für den Raum Alsfeld zu erstellen. Dennoch
ist dies nur eine Seite der Medaille. Eine frühzeitige
Bürgerbeteiligung in der Planungsphase sowie finanzielle
Beteiligungsangebote in der Investitionsphase von Energieprojekten - Stichwort:
Energie in Bürgerhand - können die Akzeptanz für solche Projekte
in der Bevölkerung erhöhen.
Das zeigt das Beispiel der Stadt
Ulrichstein, die Fingerspitzengefühl beim Bau der Windkraftanlagen in
ihrem Umfeld gezeigt hat. Alsfeld könnte die Gewerbesteuereinnahmen aus
Windparks gut gebrauchen, aber welcher Bürger, der in der Nähe
solcher Anlagen wohnt, möchte schon gerne auf seine "schöne Aussicht"
auf die Landschaft gegen die bescheidene Aussicht auf städtischen
Aufschwung eintauschen, ohne gefragt, geschweige denn beteiligt zu werden?
Zurückgeblieben ist ein umweltpolitischer Scherbenhaufen! Zusammenfassend
lässt sich Folgendes ableiten: Maßnahmen im Energiesektor der Stadt
Alsfeld betreffen unverändert und im Besonderen die drei Bereiche
Energieeinsparung, Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Damit
Maßnahmen in diesen Bereichen endlich sinnvoll und mit Weitblick
verwirklicht werden können, fordern wir: ¢ die Bildung eines
Energieausschusses im Magistrat der Stadt Alsfeld.
Der Energieausschuss
erstellt ein in sich schlüssiges Energiekonzept und treibt es unter
Berücksichtigung des stadteigenen Teilflächennutzungsplanes voran. Er
überwacht die Umsetzung des Energiekonzeptes und setzt Prioritäten
für konkrete Maßnahmen in den genannten Bereichen. ¢ eine
Koordinierungsstelle Energie in der Verwaltung der Stadt Alsfeld. Die
Koordinierungsstelle leitet konkrete Maßnahmen seitens der Stadt ein. Sie
ist Anlaufstelle für Bürger, die Investitionen im Energiebereich
erwägen. Die Bürger werden dabei über
Fördermöglichkeiten aus öffentlichen Mitteln informiert. Ziel
ist darüber hinaus ein "Informationsnetzwerk Energie" für den Raum
Alsfeld aufzubauen.
Es soll den Bürgern auf transparente Weise
ermöglichen Maßnahmen mit anderen zu koordinieren und gemeinsam
Projekte zu initiieren. Die Bürger sollen sich so bestmöglich und zu
ihrem Vorteil an Energieprojekten beteiligen können. Die
Koordinierungsstelle erstellt den jährlichen Energie- und
Klimaschutzbericht für den Magistrat und die Öffentlichkeit. Dieser
Bericht bildet zugleich die Grundlage für die Arbeit im Energieausschuss,
der das Energiekonzept fortschreibt. "Alsfeld - nachhaltig und
zukunftsfähig" ist keine Utopie. Es ist eine Frage des politischen Willens
und des entschlossenen Handelns! |
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