Fragen des DGB Hessen an die
Kandidatinnen und Kandidaten zur Landtagswahl 2008 Antworten von: Dr. Erik Siefart Landesliste: Wahlkreis: Vogelsbergkreis |
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1. Hessen hat seine Stärken bei
hochwertigen Produkten und Dienstleistungen. Uns geht es nicht einfach nur um
mehr Arbeit, sondern um das, was wir unter „Guter Arbeit“ verstehen:
Qualifizierte Arbeit, mit der man sein Leben bestreiten kann und die
zufrieden macht. Welche Instrumente zur Förderung guter Arbeit
sowie innovativer Produkte und Dienstleistungen favorisieren Sie? Welche
Rolle spielt für Sie ein gesetzlicher Mindestlohn? Mit welchen Maßnahmen kann
die Beteiligung von möglichst vielen Menschen an den dazu notwendigen
Weiterbildungsprozessen sichergestellt werden? |
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Antwort: Zur
ersten Frage:
Qualifizierte Arbeit wird durch die Umwelttechnologie weiter entstehen. Wir
wollen, dass Hessen für ökologische Unternehmen bessere Chancen bietet.
Unternehmen, die umweltfreundliche Lösungen zur Energieerzeugung und
-speicherung entwickeln, in der Wiederverwertung engagiert sind oder
nachhaltige Energieeffizienz ermöglichen, werden wir durch besondere
Förderprogramme unterstützen. Auch bei der Bewirtschaftung der landeseigenen
Gebäude werden wir konsequent auf umweltfreundlichen Betrieb achten. Zum
Mindestlohn: Wir setzen
uns für branchen- und regionalspezifische Mindestlöhne ein. Auf diesem Weg
soll flächendeckend ein Lohnniveau erreicht werden, von dem ein
Vollzeitbeschäftigter ohne Zuschüsse des Staates leben kann. Um dies zu
erreichen, wollen wir öffentliche Aufträge nur an solche Unternehmen gehen,
die sich verpflichten, Tariflöhne zu zahlen. Wir wollen auch, dass
Unternehmen, die gegen das Tariftreuegesetz verstoßen, spürbar bestraft
werden. Zur
Weiterbildung:
Wir wollen die Weiterbildung an den Hochschulen stärken, um die
Qualifizierung für Menschen, die bereits im Berufsleben stehen, zu erhöhen
und den steigenden Bedarf an Besserqualifizierten zu decken. Zu diesem Ziel
sollen gestufte Studiengänge eingeführt werden, die als Option einen
Master-Abschluss nach mehrjähriger Berufserfahrung ermöglichen. Wir wollen
die Wirtschaft an den Kosten dieser Weiterbildung beteiligen. |
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2. Die Landesregierung ist aus der
Tarifgemeinschaft der Länder ausgetreten und hat die Löhne und Gehälter per
Gesetz festgelegt. Teilen Sie unsere Forderung, dass die
Landesregierung wieder in die Tarifgemeinschaft der Länder zurückkehren muss? |
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Antwort: Ja, wir teilen
diese Forderung voll und ganz. Zum Landeshaushalt 2008 haben die GRÜNEN
deshalb beantragt, zusätzliche Mittel bereitzustellen, um die Rückkehr in die
Tarifgemeinschaft zu ermöglichen. |
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3. Die Umweltzerstörung wird immer
dramatischer. Der Klimaschutz muss entschlossen angegangen werden. Welche Chancen der Sicherung und des
Ausbaus von Arbeitsplätzen sehen Sie in den Innovationspotenzialen bei der
Energieeinsparung sowie bei regenerativen Energieträgern? |
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Antwort: In unserem Konzept
„ZukunftsEnergie für Hessen“ zeigen wir detailliert auf, wie bis zum Jahr
2028 auf atomare oder fossile Stromerzeugung in Hessen verzichtet werden
kann. Mit der Durchführung von Energieeinsparmaßnahmen sowie der Umstellung
der Stromversorgung auf erneuerbare Energien sind außerdem erhebliche
Investitionen mit Arbeitsplatzeffekt verbunden. Die Arbeitsplätze
entstehen dabei durch die Herstellung energieeffizienter Geräte und durch
Dienstleistungen wie Beratung, Planung, Überwachung und Fortbildung im
Bereich der Energieeffizienz. Hinzu kommen weitere Arbeitsplätze durch die
verbesserten Exportchancen von Produkten zur Steigerung der Energieeffizienz
und von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Nach der Umstellung
auf heimische erneuerbare Energieträger und eine dezentrale Strom- und
Wärmeerzeugung wird die Zahl der einheimischen Arbeitsplätze im Bereich der
Energietechnik und -wirtschaft deutlich steigen. |
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4. Ganztagsschulen können der Entwicklung
der Kinder und Jugendlichen sowie der Erleichterung der Vereinbarung von
Familie und Beruf dienen. Wie stehen Sie zum Ausbau der
Ganztagsschulen? Reicht ein Betreuungsangebot bis nachmittags oder sehen Sie
die Notwendigkeit individueller Förderung und projektbezogenen Lernens? |
Antwort: Wir wollen deutlich
mehr Ganztagsangebote an hessischen Schulen einrichten. Ganztägige Angebote
eröffnen pädagogische Freiräume, um auf die Stärken und Schwächen der
Jugendlichen besser eingehen zu können. Es können kindgerechtere Lernrhythmen
verwirklicht werden. Mehr individuelle Förderung, Qualitätsentwicklung und
Kooperation der Lehrkräfte untereinander, eine bessere Zusammenarbeit mit
Eltern und Jugendhilfe sowie die verstärkte Öffnung zum schulischen Umfeld
sind möglich. Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache, leistungsschwächere
Schüler, aber auch besonders Begabte profitieren von den Möglichkeiten der
Ganztagsschulen. Durch zusätzliche Förderangebote, Hausaufgabenbetreuung und
Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag werden Defizite ab- und Stärken
ausgebaut. Darüber hinaus erleichtern Ganztagsschulen die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf. |
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5. Trotz einer entspannteren Situation am
Ausbildungsmarkt bleiben immer noch viele Jugendliche ohne berufliche
Qualifikation. Teilen Sie unsere Forderung nach einem
Recht auf Ausbildung? Welche Haltung haben Sie zu Instrumenten der
Berufsausbildungsfinanzierung, etwa zur Einrichtung von Branchenfonds? |
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Antwort: Das Recht aus Ausbildung leitet sich aus dem
Recht auf Bildung ab. Der Staat und die Unternehmen haben gemeinsam
sicherzustellen, dass alle Jugendlichen Zugang zu einer Berufsausbildung
bekommen. Unternehmen, die ihrer Ausbildungsverantwortung nicht nachkommen
wollen oder können, sind an den gesamtwirtschaftlichen Ausbildungskosten zu
beteiligen sind. |
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6. Unzureichende Finanzmittel führen dazu,
dass notwendige und sinnvolle staatliche Aufgaben wie etwa im Bildungswesen
nicht wahrgenommen werden. Teilen Sie unsere Forderung nach
Wiedereinführung der Vermögensteuer? |
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Antwort: Unser Ziel ist es, dass die Vermögenden einen
angemessenen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens leisten. |
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7. Die Schere zwischen Armut und Reichtum
wird immer größer, immer mehr Menschen verarmen auch in Hessen. Teilen Sie unsere Forderung nach einem
Armuts- und Reichtumsbericht und nach Sofortmaßnahmen zur Bekämpfung von
Armut? Welche schlagen Sie vor? |
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Antwort: Wir unterstützen die Forderung nach einem
Armuts- und Reichtumsbericht. Bisher lässt sich der im Jahr 2003 in Hessen
eingeleitete soziale Kahlschlag nur an Einzelbeispielen darstellen; die
erheblichen Einschränkungen sozialer Dienstleistungen, durch die Kürzung der
Landesmittel, können in ihren strukturellen Auswirkungen nur beschränkt
dargestellt werden. Dies gilt für den Abstieg in Armut und die Folgen für die
Entwicklung sozialer Ungleichheit. Ein solcher Bericht stellt eine wesentliche
Grundlage für verantwortungsvolle landespolitische Entscheidungen dar,
insbesondere vor dem Hintergrund der fortschreitenden Kommunalisierung
sozialer Hilfen. Der Mangel an Geld ist zwar ein konstitutives Element der
Armut, aber Armut entsteht auch durch unzureichenden Zugang zu Bildung,
Beratung und Dienstleistungen. Deshalb darf sich der Armuts- und
Reichtumsbericht nicht auf die Darstellung finanzieller Aspekte beschränken. Armut ist eine ständige Herausforderung für
die Politik, und die Vorbeugung und Bekämpfung von Armut sind ein
entscheidendes Handlungsfeld einer Landesregierung. Dieser Verantwortung
werden wir uns stellen. Wir unterstützen die Forderung nach einer Erhöhung
der Regelsätze des ALG II und werden uns auf Bundesebene durch entsprechende
Bundesratsinitiativen dafür engagieren. |