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Leserbrief von Udo Ornik zum Vortrag von Günther Ederer und der Presserklärung der BI Elbenrod-Eudorf-Hattenrod gegen Windenergie

12.08.2010

Ich muss sagen, das ich es doch erschreckend finde wie einfach es ist, wie selbst ernannte Propheten heutzutage ihre Wahrheiten ungeprüft in die Welt setzen können und seien Sie noch so absurd. Man muss nicht erst auf die vergebliche Suche nach Knochenbergen unterhalb der angeblich Vogel schreddernden Windkraftwerke gehen, sondern vielleicht einfach mal auf dem Web nachschauen und schon findet man Hinweise darauf das der Journalist Ederer, der Wissenschaftlern und Meinungsmachern vorwirft, dass sie von Geld aus der Kernernergiewirtschaft oder sonst. Quellen gesponsert werden, selbst auch seine Informationen aus dubiosen Quellen bezieht.

So bezieht er sich u.a. auf den vom Ölkonzern Exxon finanzierten Klimaskeptiker Singer und steht darüber hinaus offenbar der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" nahe. Dieser wird vorgeworfen wird den ungebremsten Kapitalismus zu fördern und die dabei auch nicht vor manipulativen Beiträgen in Jugendsendungen zurückzuschrecken. Ich möchte an dieser Stelle nicht beurteilen inwieweit die Windkraftanlagen gegen die die BI Elbenrod-Eudorf-Hattenrod an der vorgesehenen Örtlichkeit berechtigt ist oder nicht.

Aber mit dem Artikel "Bürgerinitiative gegen "grüne Ideologie"" begibt sich die BI selbst auf einen Pfad der über eine Ablehnung eines Bauprojektes hinausgeht und eher den Anschein eines Feldzugs gegen regenerative Energien und grüne Energiepolitik anmutet. Damit leidet aber die Glaubwürdigkeit des ursprünglichen Vorhabens und erscheint mir nun eher als ein etwas verfrühter Auftakt zum Kommunalwahlkampf. Ich meine, wenn Leute wie Herr Eder die Wissenschaft und Ihre Urteilsfähigkeit angreifen, dann darf das aufgeklärten Menschen nicht egal bleiben. Als Wissenschaftler ist man immer von Natur aus skeptisch.

Der Nachweis eines Irrtums gehört im Gegensatz zu der Vorgehensweisen von Menschen, wie Herrn Ederer, die Desinformation (z.Bsp. 25.000 geschredderte Vögel/Anlage !) betreiben, zum alltäglichen Geschäft. Interessant in diesem Zusammenhang ist u.a. die Tatsache, dass mittlerweile niemand ernstzunehmendes mehr die Klimaveränderungen an sich anzweifelt, sondern die Diskussion ja mittlerweile um die Frage der Stärke des menschlichen Einflusses und der Geschwindigkeit der Veränderungen geht.

In dieser Hinsicht hinkt Herr Ederer, der in seinem Vortrag ja den Klimawandel bestreitet, zumindest den Klimaskeptikern, auf die er sonst gerne beruft, noch weit hinterher. Bei der aktuellen Diskussion, um die sicherlich aus vielen Gründen notwendigen Veränderungen unserer Energieversorgung, vermisse ich die Alternativen. Angesicht der Katastrophe im Golf von Mexiko, der immensen Folgekosten der Kernenergie und der fatalen Abhängigkeit unserer Wirtschaft vom Öl und den damit verbunden Kriegen erscheinen mir die Auswirkungen von Windkraftwerken, Photovoltaik und der Nutzung von Biomasse als eher harmlos und beherrschbar.

Ich weiß, dass wir für unsere hochentwickelte Wirtschaft Energie brauchen und deshalb in irgendeinen sauren Apfel bauen müssten. Aber wenn ich wählen müsste, würde ich lieber neben einer Windkraftanlage wohnen als neben einem Kernkraft- oder einem Kohlekraftwerk. Ich fühle mich auch nicht wie Herr Pahl von der BI in meiner Menschenwürde verletzt wenn ich neben einer Windkraftanlage wohnen muss. Von den Windkraftanlagen nahe meinem Wohnort, denen man vor Ihrem Bau u.a. nachgesagt hat sie seien so laut wie ein startender Düsenjäger, höre ich sogar, wenn ich mich unter eine Anlage stelle, nichts anderes als nur die Autobahn. Kein Düsenjägerlärm und auch kein gefährlicher Infraschall - ein Phänomen, das ich als Unangenehm bei mehreren geöffneten Scheiben im Auto aber nicht im Zusammenhang mit Windkraftanalgen wahrnehme.


Ich würde es begrüßen wenn eine sachliche Diskussion über die Chancen der regenerativen Energien auch für den Vogelsberg möglich wäre. Denn sogar wenn Herr Ederer recht hätte und keine massiven klimatischen Änderungen bevorstehen würden, würden uns die regenerativen Energien von den Unsicherheiten auf den internationalen Rohstoffmärkten sicherer machen. Das müsste auch Herr Ederer erkennen, der zwar wohl freier und kritischer Wirtschaftjournalist zu sein vorgibt und von einer gigantischen Geschäftemacherei im Zusammenhang mit der Klimadiskussion spricht, der aber wohl gerade die größte Wirtschaftskrise aller Zeiten, mit einer wirklich gigantischen Geldverschwendung und Bankenabzocke irgendwie nicht mitbekommen hat.
 
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