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Kritische Anmerkungen zum Beschluss
LWV
Gruene-Vogelsberg: Welche Ziele
verfolgt der Landesverband der Grünen im LWV?
Acht Antworten zur künftigen
Zusammenarbeit von Bündnis 90/DIE GRÜNEN mit den Fraktionen von CDU
und FDP in der Verbandsversammlung des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV)
1. Behauptung: "Die Grünen wollen
den LWV zerschlagen" Antwort: Es gibt keinen einzigen Grünen, der in den
letzten Jahren die Auflösung oder Zerschlagung des LWV gefordert
hätte. Im Gegenteil hat bereits der Parteirat im Dezember 2004
beschlossen, das der LWV als überörtlicher Sozialhilfeträger
erhalten bleiben soll. Es geht lediglich darum, die Aufgabenverteilung zwischen
dem überörtlichen Träger (LWV) und den örtlichen
Trägern der Sozialhilfe (Kreise und kreisfreie Städte) neu zu
bestimmten. Dies müssen wir aufgrund der geänderten Rechtslage im
Bund (SGB XII) bis Ende 2006 hinbekommen. Darüber entscheidet
übrigens der Landtag, nicht die Verbandsversammlung des LWV. Der bisherige
Landesdirektor Lutz Bauer (SPD) soll dagegen in seiner früheren Position
als geschäftsführender Direktor des Landkreistages mehrfach die
Auflösung des LWV gefordert haben.
2. Behauptung: "Die Grünen machen
mit Koch gemeinsame Sache" Antwort: Der LWV ist ein kommunaler Verband. Die
Zusammenarbeit mit der CDU in der Verbandsversammlung hat also nicht viel
größere Bedeutung als die Zusammenarbeit der Grünen mit der CDU
in Marburg-Biedenkopf oder in Kassel. Die Landespolitik und die Arbeit des LWV
sind unterschiedliche Dinge. Der LWV ist eine Verwaltungsbehörde, die die
ihr übertragenen Aufgaben wahrzunehmen hat. Was der LWV zu tun hat,
bestimmt sich im Wesentlichen nach Bundesrecht (vor allem SGB XII und SGB IX)
und Landesrecht. Im Rahmen dieser Vorgaben nimmt der LWV seine
Gestaltungsmöglichkeiten eigenständig wahr. Dies ist die Hauptaufgabe
der Verbandsversammlung, nicht die Opposition gegen Koch. Die SPD hat 20 Jahre
mit der Koch-Partei CDU im LWV zusammengearbeitet bis Anfang Dezember 2004, als
die CDU die Kooperation mit der SPD aufgekündigt hat. Die LWV-SPD ist von
sich aus vor diesem Termin niemals auf die Grünen zugegangen, um eine
Opposition gegen die CDU in Hessen aufzubauen. Sie wirft uns vor, dass wir uns
der Koch-Partei "an den Hals werfen". Dabei würde sie noch heute an genau
diesem Hals hängen, wenn man sie denn gelassen hätte. Die Doppelmoral
der SPD ist nicht akzeptabel. Andreas Jürgens zeigt jeden Tag, dass die
Zusammenarbeit mit der CDU in der Stadt Kassel ihn als Kreisvorsitzenden von
Kassel-Stadt in keiner Weise daran hindert, eine aktive Oppositionsrolle im
Landtag zu spielen. Wir wollen Koch 2008 ablösen, das Ziel haben wir
weiter fest im Auge.
3. Behauptung: "Die Zusammenarbeit mit
der CDU schadet dem Kampf gegen die Operation düstere Zukunft" Antwort:
Mit der "Operation düstere Zukunft" (ODZ) entzieht sich die
CDU-Landesregierung ihrer sozialpolitischen Verantwortung und zerstört
wesentliche Teile der bewährte sozialen Infrastruktur in Hessen, dem wir
unser grünes Sozialbudget entgegen gesetzt haben. Der Bereich, in dem der
LWV zuständig ist, ist allerdings von der Sparorgie der Landesregierung
weitgehend nicht betroffen. Die Mittel für die Behindertenhilfe und im
Bereich der Versorgung psychisch kranker Menschen auch im Maßregelvollzug
sind von der ODZ nicht betroffen. Deshalb bedauern wir es, dass die SPD den gut
eingeführten Oppositionsbegriff ODZ nun gegen uns benutzt und damit als
Kennzeichnung unsozialer CDU-Politik entwertet. Die SPD ihrerseits hat auch
noch nach Verkündung der Koch'schen ODZ mit der CDU gemeinsame Sache
gemacht. Sie hat den ersten Beigeordneten Brückmann sieben Tage nach
Verkündung der ODZ gemeinsam mit der CDU gewählt. Da war kein Kampf
gegen die ODZ zu sehen.
4. Behauptung: "Die Beschäftigten
werden verunsichert und haben Angst um ihre Zukunft" Antwort: Man kann die
Zukunft im Augenblick nur sehr begrenzt voraussehen. Insbesondere im Bereich
der Krankenhäuser wandelt sich die Landschaft derzeit derartig schnell,
dass jede Prognose über mehr als ein Jahr ausgesprochen fahrlässig
wäre. Wir können deshalb die Verunsicherung der Beschäftigten
nachvollziehen. Sie sollten sich aber nicht zusätzlich verunsichern lassen
durch politisch motivierte Falschmeldungen, insbesondere von Seiten der SPD.
Die Arbeitsplätze beim LWV werden durch die neue Mehrheit in der
Verbandsversammlung nicht unsicherer, als sie vorher waren. Wir haben auch
beschlossen, dass alle Maßnahmen in Abstimmung und wenn möglich nur
mit Zustimmung der Beschäftigten erfolgen sollen. Allerdings dürfen
wir nicht vergessen, dass die Einrichtungen des LWV und seine Aufgaben als
Sozialhilfeträger kein Selbstzweck sind. Im Mittelpunkt muss der
Dienstleistungsauftrag des LWV für die behinderten und psychisch kranken
Menschen in Hessen stehen. Diesen im Rahmen der bestehenden Gesetze
bestmögliche Hilfen zur Verfügung zu stellen ist die Hauptaufgabe des
LWV.
5. Behauptung: "Die Einrichtungen des
LWV sollen privatisiert werden" Antwort: Eine Privatisierung im Sinne eines
Verkaufs von Einrichtungen an private Betreiber wird nach unserer Wahrnehmung
derzeit von niemandem vorangetrieben. Es geht darum, ob Einrichtungen in eine
private Rechtsform (z.B. eine gemeinnützige GmbH) überführt
werden, bei der aber weiterhin der LWV alleiniger Gesellschafter ist. Es geht
auch darum, ob möglicherweise einzelne Einrichtungen mit kommunalen
Einrichtungen z.B. in einer Holding wieder Klinik-Holding Nordhessen
zusammengeführt werden. Die Grünen wollen, dass die Einrichtungen des
LWV eine Zukunft haben und erhalten bleiben. Zu den wirtschaftlichen Aussichten
ist ein Gutachten in Auftrag gegeben worden, das kurz vor der
Veröffentlichung steht. Es geht den Grünen darum, die
Arbeitsplätze und die Einrichtungen zu erhalten! Es bestehen wegen
verschiedener Faktoren allerdings Befürchtungen, dass einige Einrichtungen
unter der Regie des LWV mittelfristig ins Defizit geraten. Zwei Einrichtungen
sind vor ein paar Jahren von der SPD/CDU-Kooperation wegen Verlusten in
Millionenhöhe geschlossen worden. Das darf sich unserer Meinung nach so
nicht wiederholen. Deshalb wollen die Grünen Möglichkeiten
prüfen, ob einzelne gefährdete Einrichtungen besser im
Zusammenschluss mit anderen Krankenhäusern in der Region überleben
können.
6. Behauptung: "Wir hätten auch
mit der SPD/FWG zusammenarbeiten können" Antwort: Mit der CDU ist es
gelungen, fast alle grünen Vorstellungen für eine personenbezogene
statt einrichtungsbezogene Eingliederungshilfe zu vereinbaren. Mit der SPD
hätte das auf dem Papier fast genauso gelingen können. Aber unsere
Erfahrung zeigt, dass die SPD in ihrem tatsächlichen Handeln den
Wünschen der großen Träger von Einrichtungen stets näher
steht als dem Selbstbestimmungsrecht der Menschen mit Behinderungen. Die SPD
fordert einheitliche Standards in Hessen, wir wollen hessenweit individuelle
Lösungen mit Qualitätsgarantie. Bei der Umsetzung des
persönlichen Budgets, dem Wunsch- und Wahlrecht der Betroffenen, der
Unterstützung kleinerer, innovativer Ansätze und der Wohnortnähe
der Angebote geht es um das konkrete Aushandeln flexibler Lösungen im
Interesse der behinderten und psychisch kranken Menschen. Die SPD hat sich auch
schon in der Vergangenheit auf dem Papier zum z.B. Subsidiaritätsprinzip
bekannt, aber in Praxis genau das Gegenteil umgesetzt. Sie hat sich auch jetzt
wieder für die Übernahme der Drogenberatung in Darmstadt durch das
ZSP Heppenheim stark gemacht und wollte auch in Wiesbaden eine
Außenstelle ihres ZSP Eltville aufmachen, statt den Aufbau einer
Psychiatrie am örtlichen Krankenhaus zu unterstützen. Auch im Umgang
mit den steigenden Kosten der Eingliederungshilfe hat die SPD merkwürdige
Vorstellungen. So hat sie vor kurzem beantragt, dass geprüft werden soll,
ob alle Kosten, die durch Fallzuwächse bis zum Jahr 2011 entstehen,
über einen Landeskredit finanziert werden können. Das würde
bedeuten, dass zukünftige Generationen in Hessen weitere 630 Mio. Euro
zuzüglich Zinsen und Zinseszins aufgebürdet bekommen. Nach
Abwägung aller Umstände sind wir zum Ergebnis gekommen, dass die SPD
in Sachen LWV reformunwillig ist. Wer immer wieder einfordert, es dürfe
sich beim LWV nichts ändern, gefährdet deshalb tatsächlich
seinen Bestand und gibt die Zukunftsfähigkeit auf. Wir sehen derzeit
bessere Chancen bei der jetzt vereinbarten Zusammenarbeit.
7. Behauptung: "Es geht nur um Posten"
Antwort: Nur wer personell beteiligt ist, kann auch Einfluss auf die
tägliche Arbeit der Verwaltung nehmen. Aber für uns sind "Posten"
immer nur Mittel zum Zweck und niemals Selbstzweck. So war es auch diesmal. Die
Grünen haben zuerst mit der CDU/FDP und mit der SPD/FWG über Inhalte
gesprochen, die im Wesentlichen von uns in die Diskussion gebracht wurden. Erst
als sich hier eine weitgehende Übereinstimung zeigte, kam für uns
eine Koalition und damit auch eine personelle Beteiligung in Betracht. Die
große Koalition ist dagegen vor allem am Streit um Posten zerbrochen. Die
SPD ist vor allem deshalb so sauer, weil sie 55 Jahre lang - mit kurzen
Unterbrechungen - den Landesdirektor gestellt hat und dies jetzt anders sein
soll. Also: bei uns folgen die Posten den Inhalten, bei den anderen dienen die
Inhalte vor allem dazu, um Posten zu rangeln.
8. Behauptung: "Die grüne Basis
ist bei der Entscheidung übergangen worden." Antwort: Die grüne
LWV-Fraktion wurde nach der letzten Kommunalwahl gewählt und ist kommunal
angebunden. Aufgrund der sich abzeichnenden Kampagne seitens der SPD hat sich
der Landesvorstand im November mit Landtags- und LWV-Fraktion getroffen. Mit
der Beratung eines - wie immer - stark an Inhalten orientierten Antrages auf
dem Parteirat hat der LaVo die Parteiratsmitglieder umfassend informiert. Die
darin aufgezählten Schritte im Rahmen von Verhandlungen sind alle
eingehalten worden. So hat sich die LAG Soziales und die LAG Behinderte
gemeinsam das Thema diskutiert. Daran teilgenommen haben auch Vertreter von
ver.di. Ebenso klar war, dass der nächste Parteirat eine wie auch immer
geartete Entscheidung zu treffen hat. |
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