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Grüne sehen weiter Gefahr
für die Milchbauern : Der Vogelsbergkreis soll intervenieren
31.7.2008
Seit Jahren haben die Milchbauern mit Erzeugerpreisen zu
kämpfen, die ihre Kosten nur unzureichend decken und die geleistete Arbeit
nicht adäquat entlohnen. Die Preissteigerungen im zweiten Halbjahr 2007
haben da nur kurz für eine Entspannung gesorgt.
Ein Grund für
diese Erzeugerpreisentwicklung sind die seit Jahren erheblichen
Milch-Überschusse durch agrarpolitische Vorgaben. Die europäische
Milchmenge lag immer bis zu 20 Prozent über dem Bedarf. Dies haben die
Grünen, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und
der Bund deutscher Milchviehhalter e. V. (BDM) schon seit Jahren
bemängelt.
So hat die Quote zwei wichtige Zielsetzungen die
Gewährleistung von angemessenen Erzeuger- preisen und die Abmilderung des
Strukturwandels in der Milchviehwirtschaft nie erreichen können.
Ein weiterer Grund sind die oligopolen Strukturen im deutschen Handel, die ihre
Marktmacht ausspielen, um den Milchpreis ohne Rücksicht auf die Erzeuger
nach unten zu drücken.
Auch für die Verbraucher, Steuerzahler
und Umwelt sind Überschusserzeugung und Druck auf die Qualität und
Betriebe nicht von Vorteil. Die europäische Kommission setzt auf eine
weitere Deregulierung des Milchmarktes. Dies wird den Strukturwandel weiter
anheizen und das Aus vor allem für die bäuerliche Milchproduktion
Vogelbergkreis bedeuten. Die im BDM organisierten Landwirte fordern daher zu
Recht die Beibehaltung einer vernünftigen Mengenregulierungspolitik.
Inzwischen organisieren sich die Bauern auf der europäischen Ebene mit dem
European Milk Board, um ein politisches Umsteuern zu erreichen.
Nur
wenn Angebot und Nachfrage aufeinander abgestimmt werden können, kann eine
Weiterentwicklung der Märkte zu kostendeckenden fairen Preisen für
alle Beteiligten erreicht werden. Die Grünen fordern
die von der europäischen Union beschlossene
Milchquotenerhöhung von 2 Prozent zum 1. Juli 2008 in der nationalen
Reserve zu belassen, die Molkerei-Saldierung auf nationaler Ebene auszusetzen
und damit die nationale Überproduktion von Milch zu stoppen,
den Umrechnungsfaktor von derzeit 1,02 kg/l Milch auf
1,03 kg/l Milch und damit auf europäisches Niveau anzuheben,
gemeinsam mit den Milcherzeugern und der
Molkereiwirtschaft ein flexibles und am Markt orientiertes
Milchmengensteuerungssystem zu entwickeln, das kostendeckende Preise für
die Landwirte ermöglicht, und sich auf nationaler und europäischer
Ebene für die Einführung dieses Systems einzusetzen,
auf europäischer Ebene im Rahmen des Health
Checks die Rücknahme der Kommissionspläne zu jährlichen
Milchmengenerhöhungen durchzusetzen und im Gegenzug eine Milchpolitik
einzufordern, die verbraucher- und marktorientiert ist und gute Umwelt- und
Qualitätsstandards gewährleistet,
die im geplanten Milchfonds angedachten
Maßnahmen zu konkretisieren und ein Finanzierungskonzept vorzulegen,
weitere Möglichkeiten wie z. B. im Kartellrecht
zur Stärkung der Verhand- lungsposition der landwirtschaftlichen Erzeuger
auszuarbeiten und vorzu- stellen.
Die Milchwirtschaft ist für den
Vogelsbergkreis die einzig mögliche Form der Landwirtschaft. Zudem
erbringt sie dort wichtige zusätzliche Leistungen für den Erhalt der
Kulturlandschaft, die touristischen Attraktivität und damit die regionalen
Entwicklungsmöglichkeiten.
Es ist eine Aufgabe der
europäischen Agrarpolitik, diese Standorte zu sichern. Ein weiteres Ziel
muss sein, eine Milchproduktion mit hohen Qualitäts- und Umweltstan- dards
in ganz Europa zu gewährleisten. Mit ihrem Milchlieferstopp haben die
Landwirte gezeigt, dass die Milcherzeuger in Deutschland mit dem Rücken
zur Wand stehen.
Während die Erzeugerpreise seit Januar dieses
Jahres um 30 Prozent auf 27 bis 35 Cent gesunken sind, haben sich die
Produktionskosten der Landwirte durch steigende Energie-, Futter- und
Betriebsmittelkosten um 20 Prozent erhöht. Ein kostendeckendes
Wirtschaften ist so nicht mehr möglich; viele Milchviehbetriebe haben
keine Zukunftsperspektive, wenn die Milchpreise nicht endlich auf einem fairen
und kostendeckenden Niveau stabilisiert werden.
Mit der Aussetzung der
Molkerei-Saldierung auf nationaler Ebene wird kurz- fristig Milchmenge von etwa
3 Prozent vom Markt genommen. Durch eine Än- derung des Umrechnungsfaktors
verringert sich bei gleichbleibender Milch- Quote die Produktion in Deutschland
um 1 Prozent. Wenn die Quotenerhöhung von 2 Prozent in der nationalen
Reserve eingehalten wird, wird die Milchpro- duktion nicht zusätzlich
stimuliert. Alle drei Maßnahmen führen zu einer Markt- entlastung
und damit zu einer Wiederanhebung der Erzeugerpreise. Dies gibt die nötige
Zeit, um Vorschläge für marktgerechte Mengenanpassungsregularien zu
entwickeln. |
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