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Grüne diskutieren im Kreisvorstand mit der Fraktion den Umgang mit Rechtsextremismus

1.5.2008

Der Kreisvorstand hat die Veranstaltung „Vielfalt tut gut“, die vom Vogelsbergkreis und von der Bundesregierung finanziell unterstützt wird, zum Anlass genommen, um wirksame Strategien gegen das Vordringen des Rechtsextremismus zu diskutieren. Rechtsextremistisches Denken ist aus Sicht der Grünen dort dominant, wo es einen Mangel an demokratischem Bewusstsein und fehlende ernst gemeinte Beteiligungsmöglichkeiten gibt.

Wer mit der Vielfalt von Meinungen und Lebensweisen nicht umgehen kann, wem die Erfahrung an demokratischer Mitbestimmung fremd ist, wer nicht versteht, dass im Streit Lösungen gefunden werden können, ist nach Meinung der Grünen besonders "anfällig" für rechtsextremistisches Gedankengut.

„Wir müssen im Vogelsbergkreis darüber nachdenken, welche Konsequenzen sich daraus für die Demokratie ergeben“, so die Schatzmeisterin Eva Goldbach. „Zwar wäre es falsch, das Problem des Rechtsextremismus allein mit der NPD zu identifizieren, aber die NPD wird zunehmend zur Sammlungspartei, die Stimmen aus einem traditionell zersplitterten Wählersegment auf sich vereint und sich festzusetzen droht.“

Hinzu kommt die Bindewirkung der NPD auf das rechtsextreme Umfeld. So gibt es inzwischen eine intensive Zusammenarbeit zwischen der NPD, Kameradschaften und rechtsextremen Vereinen, aber auch mit dem Mädelbund, die in alle Lebensbereiche vordringen. Bei letzterem wird nach Meinung der Grünen ein weiteres Phänomen augenscheinlich: Rechtsextremismus hat zunehmend auch ein weibliches Gesicht.

Studien stellen fest, dass rechtsextreme Einstellungen durch alle gesellschaftlichen Gruppen, in allen Alterssegmenten, allen Bildungsschichten und in allen Bundesländern vertreten sind. Es liegt also an den Rahmenbedingungen und der psycho-sozialen Stabilität der Menschen, ob der Rechtsextremismus zum Tragen kommt oder als zivilisations- und menschenfeindliche Regung in seine Schranken gewiesen werden kann. Hier ist eine gute Bildungspolitik, die soziale Unterschiede überwindet und die Menschen befähigt, sich kritisch und konstruktiv in die Gesellschaft einzubringen, von entscheidender Bedeutung.

„Ebenso benötigen wir eine offensive Demokratiebildung, die Meinungsvielfalt bejaht und dennoch Grenzen setzt – hin zur faschistischen und menschenverachtenden Ideologie, für die Rechtsextremismus steht“, so der Fraktionsvorsitzende Peter Zielinski. Die soziale Situation im Vogelsbergkreis in Verbindung mit anderen Faktoren wie Sozialisation, Persönlichkeitsstruktur und persönlichen Erfahrungen trägt maßgeblich zur Herausbildung rechtsextremer Einstellungen bei.

Die Erfahrung, dass Demokratie sich nicht unbedingt materiell "lohnt", bietet einen Nährboden für demokratiefeindliche Umtriebe. Das bedeutet aus Sicht der Grünen keinesfalls, dass Demokratiefeindlichkeit allein auf Wohlstandsverlust zurückgeführt werden kann, aber es scheint offenkundig, dass das "sich-Einleben" in ein politisches System begünstigt wird, wenn sich dieses subjektiv mit Wohlstand verknüpfen lässt. Die Veränderungen durch die härtere weltweite wirtschaftliche Konkurrenz werden diffus als materielle Bedrohungen von außen (Europa, Globalisierung, Kriege um Ressourcen) empfunden.

Den Menschen materielle Existenzängste zu nehmen, entspannt. Dasselbe gilt für den komplexen und unübersichtlichen Alltag. Ein weiteres Problem ist das erhebliche Nichtwissen über andere Kulturen,andere Länder und andere Religionen. Viele Menschen kennen beispielsweise gar keine MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund,was Vorurteilen erst recht Tor und Tür öffnet. Die Bildung muss daher die soziale Kompetenzen in den Vordergrund stellen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei nicht nur die Schule, sondern auch die Familie, der Kindergarten, Vereine oder Jugendzentren. Zudem ist auch eine eindeutige Positionierung der Hessischen Landesregierung gefordert.Bei den Jugendlichen wirkt das Etikett "rechtsextremistisch" nicht mehr automatisch abschreckend. Das Bewusstsein, dass eine Partei mit menschenverachtender Ideologie nicht gewählt werden sollte, auch wenn sie zur Wahl steht, ist wenig entwickelt.

Die NPD erscheint zum einem als Protestpartei reizvoll, wird aber andererseits von einem Teil der WählerInnen auch als grundlegende Alternative angesehen Für die Grünen steht daher nicht das Verbot der NPD sondern deren politische und zivilgesellschaftliche Bekämpfung im Vordergrund. Nur mit demokratischen Abwehrkräften können rechtsextreme Einstellungen geschwächt werden. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Kommunen selbst dafür verantwortlich sind, Rechtsextremismus zu erkennen und begegnen zu wollen. Diese legen oftmals lieber den Mantel des Schweigens über die Probleme, als diese offensiv anzugehen – auch weil sie die Stigmatisierung oder die Auseinandersetzung fürchten.
 
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