Es ist schon ein starkes Stück, dass der Zweckverband Abfallwirtschaft Vogelsbergkreis den Deponieraum im Bastwald zu Billigpreisen an italienische Firmen verramscht, ohne dass die Vogelsberger Bürger davon etwas haben und von ihren hohen Gebühren entlastet werden.
Während jeder Bürger für eine Tonne seines Hausmülls 150
€ berappen muss, um den viel zu teuren Betrieb der Deponie
überhaupt aufrecht erhalten zu können, dürfen nun die italienischen
Firmen für weniger als 55 € pro Tonne ihren Müll in den Bastwald
kippen. Logisch scheint das aus Sicht des Zweckverbandes,
da sich sonst der teure Transport aus Italien bis in den Vogelsberg
überhaupt nicht lohnen würde.
Aus ökologischer Sicht ist dieser neue, europaweite Mülltourismus
ohnehin ein völliger Irrweg.
Es zeigt sich nach Meinung von Bündnis 90/Die Grünen immer deutlicher, dass bereits vor Jahren die Felder 4 und 5 auf der Bastwalddeponie nie hätten errichtet werden dürfen, weil schon damals ersichtlich war, dass durch Einführung der Getrenntsammlung und Errichtung des Dualen Systems Deutschland (DSD) sich das Müllaufkommen deutlich reduzieren würde und die Deponie Bastwald bald ohne Müll dastünde.
Aber selbst nach der damaligen Fehlentscheidung wäre es noch immer sinnvoller gewesen, den restlichen Deponieraum nicht weiter zu verfüllen, da die Nachsorgekosten erheblich sein werden. Auf fast 30 Millionen € werden sich diese nach Schätzungen der Grünen in den kommenden Jahren belaufen, so dass dann pro Tonne eingelagertem Müll der Zweckverband Abfallwirtschaft Vogelsbergkreis fast 60 Euro aufwenden muss, um der Betrieb der Bastwalddeponie langfistig zu sichern.
Mit anderen Worten: Der Zweckverband wird für den italienischen Müll langfristig ebenso viel Kosten haben wie er jetzt kurzfristig damit an Einnahmen erzielt.
Dass der Zweckverband heute diese kurzsichtige Politik betreibt, bei der unter dem Strich nichts übrig bleibt, lässt sich nur aus den Verflechtungen des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Vogelsbergkreis mit der Firma Schad und den großen Entsorgern wie RWE und anderen verstehen, die nämlich alle inzwischen das lukrative Müllgeschäft in Europa für sich erschlossen haben.
Mit dem eigentlichen Auftrag des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Vogelsbergkreis hat diese Politik aber nichts mehr zu tun. Der Zweckverband wurde ausschließlich für die kommunale Entsorgung des Mülls im Vogelsbergkreis gegründet. Die Ausweitung der Verträge auf den Wetteraukreis war seinerzeit bereits jenseits der erklärten Geschäftsziele nur gerechtfertigt, weil der Zweckverband selbst nicht in der Lage war, für den eigenen Müll die gesetzlich vorgeschriebene, biologisch-mechanische Vorbehandlung durchzuführen.
Eine Ausweitung des Müllgeschäfts bis Italien hingegen ist
nun wirklich jenseits aller Geschäftsziele des Zweckverbandes
Abfallwirtschaft im Vogelsbergkreis. Um für den internationalen
Mülltourismus tätig zu werden, gibt es weder einen kommunalpolitischen
Auftrag an den Zweckverband noch überhaupt einen Grund, in
diesem Bereich tätig zu werden, denn schließlich vertritt
der Zweckverband Abfallwirtschaft Vogelsbergkreis die Vogelsberger
Bürger und nicht die mehr oder minder durchsichtigen Interessen
der großen Müllentsorgungsfirmen.
